Leute, es ist fürchterlich,
Heilig' Abend nähert sich,
doch droben aus dem Himmelstor
schaut noch nichts Brauchbares hervor.
Zwar sieht man zwischen Wolkenfetzen
Englein auf und nieder wetzen,
die nicht wissen was zu tun ist,
wissen nur, dass nicht zu ruh'n ist!
Wie hier herunten auf der Erden
manche gar nicht müde werden,
statt dem Christkind, 's ist zum Lachen,
selber basteln eig'ne Sachen.
(So macht meine Frau ganz gerne
Kerzen sowie Weihnachtssterne,
ich - als ungeschickter Lackl -
pick' mit Tesa zu manch' Packl.
Damit geht es mir wunderbar,
was bei andern nicht so war):
Ein Freund etwa bracht' sich ins Schwitzen,
weil seine Frau sagt': "Tue schnitzen
zur Freude uns'rer ganzen Sippe
für jeden eine schöne Krippe".
Der gute Mann hat Nacht für Nacht
bislang zwölf Josefe gemacht,
doch dann fiel es ihm plötzlich ein:
da müssen's auch zwölf Ochsen sein
und Eseln auch nicht weniger,
zwölf Jesuskinder müssen her!
Und auch Maria muss man seh'n,
zwölf mal, wie soll denn das noch geh'n?
Und wenn das doch geht fehlen noch
die Hirten, fünf mal zwölf, jedoch
bleibt sicher keine Zeit für'n Stern,
damit bleib'n auch die Hirten fern
vom Stall in dieser Heil'gen Nacht.
Dann werden die halt nicht gemacht,
weil dann bleibt Zeit den Stern zu schnitzen.
Und so beginnt erst recht das Schwitzen:
denn steht der Stern dann überm Stall,
seh'n das die Hirten allmal
und kämen gern in hellen Scharen!
Geht nicht, wenn nicht geschnitzt sie waren.
Daher sind Hirten wohl ein Muss!
Das alles führt zu keinem Schluss!
Der Schnitzer sagt der Frau: "Hör' her
heuer bleibt der Stall fast leer,
doch nächstes Jahr wird alles glänzen,
ich werde übers Jahr ergänzen
die Figuren, die jetzt fehlen.
Du kannst sicher auf mich zählen,
ich sichere die Weihnachtsfeier
und schnitz' halt keine Ostereier.
Dann werd' ich sicher fertig werden.
Fried' den Menschen auf der Erden!"
Nach diesem salbungsvollen Schluss
sagt die Frau: "Du hast an Schuss!
Was haben sonst wir an Geschenken,
was sollen sich die alle denken,
wenn wir mit leeren Händen kommen?"
Da hat der Mann sich Mut genommen,
nimmt seine Frau schnell auf die Schippe:
"Weißt was, ich schreib' wir haben Grippe,
das passt ja auch zu diesen Tagen
und so brauch' ma uns nicht mehr plagen,
was wir uns'ren Lieben geben."
So einfach kann es sein im Leben,
denn bei der heut'gen Rechtschreiblage
ist es ohnehin die Frage
ob wer den Unterschied versteht,
wenn Krippe oder Grippe steht.