Weihnachtsschicksal
Schon wieder zieht durch Flur und Zimmer,
wie vor Weihnachten schon immer,
ein Duft von Zimmet, Mandeln, Eiern,
denn baldigst gibt es was zu feiern.
Bald nämlich kommt die stille Nacht,
und selbst wenn 's Christkind nix gebracht,
Kindlein darob den Boden stampfen:
es gibt Gottlob etwas zum Mampfen.
Denn Mütter machen manchen Teig,
wie wenn's ein himmlisch' Fingerzeig,
sie kneten, walken, stechen aus,
und backen gute Sachen draus.
Sie machen Kugeln voll mit Rum,
auch Mandelbögen, sei es drum,
schmier'n auf die Kekse Marmelade.
Ja, Müttern ist da nix zu schade!
Manch' Ei wird sicher nie zur Henne,
denn wie ich so die Mütter kenne,
schlagen's die Eier in den Pfann'
und rühr'n zu Lebkuchen sie an.
Doppelkekse, Haferplätzchen,
Vanillebutter, Kokosspätzchen,
was immer sonst noch leicht und lecker,
die Mütter kennen die Geschmäcker
sowohl des Mannes als der Kinder
und schließlich geht es auch geschwinder,
wenn sie noch selbst den Christbaum schmücken,
um alle, alle zu beglücken.
Meist lobt man sie mit keinem Wort,
denn immerzu und immerfort
hör'n sie am heilig' Abend Essen
ihre Lieben, wie versessen.
Am Christtag fehl'n die besten Stück'
und für die Mütter bleibt zurück
nur das Gefühl wie jedes Jahr:
dass es für sie viel Arbeit war!
An einem grünen Christbaumwipferl
hängt grad noch ein Vanillekipferl
bis halt ein Kipferlfan sich find't,
in dessen Mund es dann verschwind't.